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Bresser Messier AR-152S Teleskop Test und Erfahrungen

Veröffentlicht am 29 April 2026 · Von OptiqueNature

Test & Bewertung
Bresser Messier AR-152S Teleskop Test und Erfahrungen

Einführung

Heute werfen wir einen Blick auf ein Instrument, das in der Community der Amateurastronomen für Diskussionen sorgt: das Bresser Messier AR-152S/760 EXOS-2/EQ5 Teleskop. Es handelt sich um ein großes achromatisches Linsenteleskop auf einer robusten äquatorialen Montierung, das als Komplettset inklusive eines GoTo-Systems verkauft wird. Auf dem Papier sind die Spezifikationen verlockend: eine Öffnung von 152 mm bei einer Brennweite von 760 mm (f/5). Unser Ziel ist es jedoch, über die Zahlen hinauszugehen und zu verstehen, was dieses Instrument in der Praxis wirklich bietet, indem wir seine technischen Merkmale mit Expertenmeinungen und Nutzererfahrungen abgleichen. Es geht darum, seine Stärken und Schwächen objektiv zu bewerten, um zu bestimmen, für welchen Beobachtertyp es wirklich geeignet ist.

Stärken

  • Hohe Lichtstärke für Deep-Sky: Die großzügige 152-mm-Öffnung sammelt eine beträchtliche Lichtmenge, was es zu einem potenziell leistungsstarken Instrument für die Beobachtung von Nebeln, offenen Sternhaufen und Galaxien macht.
  • Stabile äquatoriale Montierung: Die EXOS-2 (EQ5)-Montierung ist für ihre Robustheit und Tragkraft (bis zu 13 kg) bekannt. Sie bietet eine stabile Basis für das Teleskoprohr, was für präzise und komfortable Beobachtungen entscheidend ist.
  • Ein komplettes, einsatzbereites Set: Die Aufnahme eines motorisierten GoTo-Systems, eines Stativs, von Gegengewichten, eines Suchers und von Okularen macht dieses Paket zu einer All-in-One-Lösung, die zusätzliche Anfangsinvestitionen reduziert.
  • Kurzes Öffnungsverhältnis (f/5): Diese Konfiguration ermöglicht vergleichsweise weite Gesichtsfelder und kürzere Belichtungszeiten für die Astrofotografie von Deep-Sky-Objekten im Vergleich zu Instrumenten mit längerer Brennweite.

Schwächen

  • Ausgeprägte Farbfehler: Als klassischer Achromat leidet dieses Linsenteleskop unter einem bemerkenswerten chromatischen Fehler (Farbsäume), der sich als farbige Ränder (vor allem violett/grün) um helle Objekte wie den Mond, Jupiter oder Venus zeigt. Dieser Punkt wird durchgängig als Hauptnachteil genannt.
  • Erheblicher Platzbedarf und Gewicht: Mit einer Rohrlänge von fast 1,10 Metern und einem Gesamtgewicht von über 30 kg im aufgebauten Zustand ist das Set wenig portabel und handlich. Es erfordert einen festen Beobachtungsort und einen nicht unerheblichen Aufwand für den Aufbau.
  • Einstiegslevel-Zubehör: Gemäß dem Feedback aus der Community werden einige mitgelieferte Teile wie der Sucher oder die Okulare oft als erste Verbesserungspunkte angesehen, um das Beste aus der Optik herauszuholen.
  • Anspruchsvolle Aufstellung: Eine äquatoriale Montierung vom Typ EQ5 erfordert eine präzise Aufstellung (Polarausrichtung), um effektiv zu sein, besonders mit dem GoTo-System. Dies stellt eine Lernkurve für Anfänger dar.

Detaillierte Analyse des Bresser Messier AR-152S/760

Optische Qualität und visuelle Leistung

Das Herzstück dieses Instruments ist sein achromatisches Objektiv mit 152 mm Durchmesser. Die Lichtstärke ist unbestreitbar sein größter Vorteil. Sie ermöglicht es, eine beeindruckende Menge an Details in schwach leuchtenden Deep-Sky-Objekten sichtbar zu machen. Das Gesichtsfeld mit dem mitgelieferten 26-mm-Okular (ergibt 29-fache Vergrößerung) ist weit genug, um große Objekte wie den Orionnebel oder die Plejaden einzufangen.

Die Kehrseite dieser großen Öffnung mit kurzer Brennweite (f/5) ist jedoch der chromatische Fehler. Tester weisen darauf hin, dass dieser Fehler sichtbar ist und die Beobachtung bei hohem Kontrast stören kann. Für Planetenbeobachtung mit hoher Vergrößerung wird dieser Mangel deutlicher. Man sollte daher nicht die chromatische Korrektion eines Apochromaten oder eines Spiegelteleskops erwarten. Die Optik ist darauf ausgelegt, Lichtstärke und großes Gesichtsfeld auf Kosten einer perfekten Farbkorrektion zu priorisieren.

Die Lichtdurchlässigkeit ist gut dank der Vergütung der Linsen, erreicht aber nicht das Niveau von Instrumenten mit ED-Gläsern oder hochwertigen Beschichtungen. Die Austrittspupille wird mit dieser Konfiguration immer groß sein, was für das Auge angenehm ist, aber die Bilder bei Lichtverschmutzung weniger kontrastreich macht.

Verarbeitungsqualität und Handhabung

Die Verarbeitung wird insgesamt als solide und robust beurteilt. Das Stahlrohr ist schwer (10,6 kg) und das verchromte Stahlstativ bietet eine stabile Basis, wenn es richtig aufgebaut und ausbalanciert ist. Diese Robustheit ist ein Vorteil für die Bildstabilität, besonders bei leichtem Wind.

Diese Stabilität hat jedoch ihren Preis in der Portabilität. Das Set ist nicht für Wanderer oder mobile Beobachter konzipiert. Es handelt sich um ein Instrument für den Garten oder einen halbpermanenten Beobachtungsplatz. Die Handhabung ist aufwändig. Der Aufbau und die Ausrichtung der EXOS-2-Montierung sind entscheidende und zeitintensive Schritte. Die Community merkt an, dass die Bewegungen der Achsen zwar generell flüssig sind, aber von einer Feinjustierung profitieren können und dass das GoTo-System, wenn richtig kalibriert, die Nachführung danach stark vereinfacht.

Das mitgelieferte Okular (1,25") wird oft als Schwachpunkt kritisiert. Erfahrene Beobachter empfehlen quasi durchgängig, es durch hochwertigere Okulare zu ersetzen, um das Potenzial der 152-mm-Öffnung voll auszuschöpfen. Der 8x50-Sucher ist ein nützliches und passendes Zubehör für das Instrument, auch wenn seine optische Qualität manchmal als durchschnittlich beurteilt wird.

Typische Anwendungsfälle

  • Deep-Sky-Beobachtung: Das ist sein Hauptanwendungsgebiet. Seine große Öffnung macht es zu einem exzellenten Lichtsammler für Galaxien, Nebel und Sternhaufen. Hier kann es seine Stärken voll ausspielen.
  • Mondbeobachtung: Der Mond ist fantastisch mit vielen Details, aber der chromatische Fehler wird an den Rändern heller Krater sichtbar sein.
  • Planetenbeobachtung: Möglich und lohnenswert mit guten Okularen und stabiler Luft, aber begrenzt durch den chromatischen Fehler. Es wird nicht das Detail- und Kontrastniveau eines Newton-Teleskops oder eines Apochromaten gleicher Öffnung erreichen.
  • Deep-Sky-Astrofotografie (mit Einschränkungen): Das Öffnungsverhältnis f/5 ist interessant. Kombiniert mit einem Reducer/Flattener und einer Kamera kann das Rohr für die Astrofotografie genutzt werden. Allerdings muss der chromatische Fehler in der Nachbearbeitung korrigiert werden, und die EQ5-Montierung kann auch mit Motoren für sehr lange Belichtungen ohne Autoguiding an ihre Grenzen stoßen.
  • terrestrische Beobachtung: Theoretisch möglich, aber aufgrund des seitenverkehrten Bildes (erfordert ein teures 2"-Amprien), des Platzbedarfs und Gewichts unpraktisch. Das ist eindeutig nicht seine Bestimmung.

Vergleich und Preis-Leistungs-Verhältnis

Im Segment der großen, preisgünstigen Linsenteleskope nimmt das Bresser Messier AR-152S/760 eine besondere Stellung ein. Es bietet viel Öffnung für ein begrenztes Budget. Es übertrifft kleinere Linsenteleskope mit 70 bis 100 mm Öffnung in ihren Deep-Sky-Fähigkeiten deutlich.

Man muss jedoch Äpfel mit Äpfeln vergleichen. Zu einem ähnlichen Preis wird ein Newton-Teleskop mit 150/750 mm in der Regel eine bessere Farbkorrektion bieten (dank des Spiegels) und möglicherweise vielseitiger für Planeten sein, bei ähnlicher Größe. Ein apochromatisches Linsenteleskop (APO) mit 100 mm Öffnung wird weitaus besser korrigiert, viel portabler, aber auch deutlich teurer und weniger lichtstark sein.

Sein wahrer Konkurrent ist also der chromatische Fehler selbst und die Bereitschaft des Beobachters, diesen im Austausch für mehr Licht zu akzeptieren. Für den Amateur, der mit einem leistungsstarken Instrument und einer stabilen Montierung in die Deep-Sky-Beobachtung einsteigen möchte, ohne in High-End-Geräte zu investieren, bietet dieses Set einen guten Wert. Für den anspruchsvollen Beobachter, der auf perfekte Bildqualität, insbesondere bei Planeten, Wert legt, sind die Kompromisse wahrscheinlich zu groß.

Zusammenfassende technische Daten

MerkmalSpezifikation
TypAchromatisches Linsenteleskop (Refraktor)
Objektivdurchmesser (Öffnung)152 mm
Brennweite760 mm
Öffnungsverhältnisf/5
MontierungÄquatoriale EXOS-2 (EQ5) mit motorisiertem GoTo
Max. Traglast der Montierung~13 kg
Sucher8x50 mit beleuchtetem Fadenkreuz
Mitgeliefertes Okular26 mm (1,25") - 52° - Vergrößerung 29x
Zubehöranschluss2" und 1,25" (mit Adapter)
Gewicht des Optikrohrs10,6 kg
Geschätztes Gesamtgewicht (mit Gegengewichten)~31,2 kg
Im Lieferumfang enthaltenStahlstativ, 2 Gegengewichte à 4,5 kg, 1,25"-Zenitspiegel, Smartphone/Kamera-Halterung, Filter, Stellarium-Software
HauptanwendungenDeep-Sky-Beobachtung, Mond, Planeten (mit Einschränkungen), Astrofotografie (mit Anpassungen)

Was Nutzer und Experten sagen

Die Zusammenfassung der verfügbaren Rückmeldungen aus spezialisierten Foren und Expertenanalysen zeichnet ein klares Bild.

Die wiederkehrenden positiven Punkte drehen sich um die Lichtstärke für den Preis. Nutzer sind oft beeindruckt von der Menge an sichtbaren Details in Nebeln und Galaxien im Vergleich zu kleineren Instrumenten. Die Stabilität der EXOS-2-Montierung wird ebenfalls sehr geschätzt, sobald sie korrekt aufgestellt und ausbalanciert ist. Die Anwesenheit des GoTo-Systems im Paket wird als echter Vorteil gesehen, um sich am Himmel ohne Frust zurechtzufinden.

Die negativen Punkte sind ebenso einhellig. Der chromatische Fehler ist der Hauptkritikpunkt Nr. 1. Er wird als signifikant und bei hellen Objekten unvermeidbar beschrieben. Gewicht und Größe sind der zweite große Knackpunkt: Das Set wird als "Monster" wahrgenommen, das schwer zu transportieren und alleine aufzubauen ist. Schließlich wird die Qualität des mitgelieferten Zubehörs, insbesondere des Okulars, als unzureichend beurteilt. Die meisten Besitzer empfehlen, ein Budget für mindestens ein oder zwei hochwertigere Okulare (z.B. ein Weitwinkelokular mit 68° oder 82° Apparent Field of View) und gegebenenfalls einen Reducer/Flattener für die Astrofotografie einzuplanen.

Fazit

Das Bresser Messier AR-152S/760 EXOS-2/EQ5 Teleskop ist ein Instrument, das polarisiert. Es verkörpert eine bewusste Wahl: die Priorisierung von Öffnung und Lichtsammelleistung zu einem erschwinglichen Preis, bei Akzeptanz der optischen Kompromisse, die seinem achromatischen, kurzbauenden Design inhärent sind.

Es eignet sich perfekt für den astronomischen Amateur, der sich für Deep-Sky begeistert, über einen festen Lagerplatz in der Nähe seines Beobachtungsortes (Garten, Terrasse) verfügt und bereit ist, chromatische Fehler bei hellen Objekten zu akzeptieren. Es ist eine solide und leistungsstarke Plattform, um den tiefen Himmel zu erkunden.

Wir raten jedoch davon ab für Beobachter, die optische Perfektion für die Planetenbeobachtung suchen, für Personen mit Transport- oder Lagerbeschränkungen oder für komplette Anfänger, die von der Komplexität der Aufstellung einer äquatorialen Montierung dieser Größe und den sichtbaren Farbfehlern überfordert sein könnten. Für letztere könnte ein Instrument mit geringerer Öffnung, aber besserer Korrektur, oder ein Spiegelteleskop vom Typ Dobson mit gleicher Öffnung eine besser geeignete und weniger frustrierende Wahl darstellen.

Es ist also ein spezialisiertes Werkzeug, leistungsstark in seinem Bereich, das von seinem Nutzer jedoch Kenntnis und Akzeptanz seiner Grenzen verlangt.

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